Wenn die Rente näher rückt: Vermögensaufbau im Alter

Gefühlt befinden Sie sich schon auf der Zielgeraden zum wohlverdienten Ruhestand? Oder Sie denken zumindest immer öfter an Ihre Rente – und daran, mehr für Ihre private Vorsorge tun zu müssen? Dann fangen Sie jetzt damit an! Es ist noch nicht zu spät zum Sparen.

Anja Klemm
Veröffentlicht am 01.03.2024
3 Min. Lesezeit
Paar schaut sich lächelnd an

„Im besten Alter“ und doch nicht bestens versorgt

„Best Ager“ oder auch „Happy Ager“ haben sich als Bezeichnungen für all jene etabliert, die sich „in der zweiten Lebenshälfte“ befinden, heißt, ab einem Alter zwischen 50 und 55 Jahren. Mit Blick auf die Rentensituation aber stellt sich manchen Menschen die berechtigte Frage, wie sehr sie die vermeintlich gute Zeit wirklich auskosten können. Die Fakten sprechen für sich: In der Regel reicht die gesetzliche Rente nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard halten zu können.

So viel vorweg: Mit 50+ ist man heute weder alt noch zu alt, um an der finanziellen Absicherung für den Ruhestand zu schrauben. Je nach Alter und Renteneintritt haben Sie überschlagen noch 10 bis 15 Jahre Zeit, Vermögen aufzubauen und so Ihre Rente aufzubessern. Dennoch sollten Sie so langsam die Zügel in die Hand nehmen, wenn Sie bislang nur wenig für Ihre private Altersvorsorge getan haben.

Wie lange müssen Sie noch arbeiten?

Das Renteneintrittsalter ist vom Gesetzgeber vorgegeben, unter Umständen aber können Sie Ihre Rente auch vor oder nach dem vorgesehenen Zeitpunkt beantragen. Dabei spielen meistens Faktoren wie die bereits erworbenen Rentenansprüche, der Gesundheitszustand sowie die private und berufliche Situation eine Rolle. Wichtig zu wissen: Wenn Sie früher in Rente gehen möchten, müssen Sie Abschläge in Kauf nehmen.

Die Altersgrenze für die abschlagsfreie Regelaltersrente wird bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre angehoben – einige Altersrenten sind davon ausgenommen, zum Beispiel für Menschen, die mindestens 45 Jahre versichert waren, für Menschen mit schwerer Behinderung sowie unter Tage beschäftigte Bergleute. Für alle vor dem 1. Januar 1947 geborene Versicherte gilt die Vollendung des 65. Lebensjahres als Regelaltersgrenze; bei Versicherten, die zwischen 1947 und 1963 geboren wurden, liegt die Grenze zwischen 65 und 67 Jahren. Versicherte der Geburtsjahrgänge ab 1964 erreichen die Regelaltersgrenze mit Vollendung des 67. Lebensjahres.*
*Deutsche Rentenversicherung

Bestandsaufnahme und Hochrechnung

Wie viel Geld würden Sie aktuell durch die gesetzliche Rente bekommen? Die Summe können Sie der Ihnen jährlich zukommenden Renteninformation entnehmen. Die Hochrechnung, auch unter Einbezug einer betrieblichen oder privaten Altersvorsorge, bietet einen ersten Anhaltspunkt; der ausgewiesene Betrag stellt die Brutto-Rente dar, sprich, ohne Abzüge etwa für Einkommensteuer und Krankenversicherung.

Wie viel Geld brauchen Sie im Ruhestand? Schätzen Sie grob die anfallenden Lebenshaltungskosten. Das sind sämtliche Kosten rund ums Wohnen – gegebenenfalls inklusive eines späteren Umzugs in ein altersgerechteres Zuhause, Lebensmittel, Versicherungen, Mobilität und Freizeitaktivitäten, zu denen Sie auch geplante Reisen zählen sollten. Und natürlich Gesundheitskosten, die mit zunehmendem Alter stark ansteigen können. Manche Ausgaben wie etwa Ihre Beiträge in die Rentenkasse wiederum werden wegfallen. Bedenken Sie dabei aber, dass mit steigenden Preisen die Kaufkraft beeinträchtigt wird.

Berücksichtigen Sie bei Ihrer Hochrechnung auch voraussichtliche Einkommensquellen neben den Renten, etwa Ersparnisse und Investitionen. Wichtig: Schulden sollten möglichst noch vor dem Ruhestand abgebaut werden, um die monatlichen Fixkosten zu minimieren. Auch sollten Sie bei unerwarteten Ausgaben auf einen Notgroschen zurückgreifen können; im Allgemeinen wird eine Höhe von zirka drei Monatsgehältern empfohlen.

Die Sache mit der Rentenlücke

Gemeinhin werden die benötigten Mittel für laufende Kosten im Ruhestand etwas geringer angesetzt und grob auf 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens geschätzt. Die gesetzliche Rente allein aber wird für viele Menschen dennoch kaum ausreichend sein, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Das derzeitige Rentenniveau – die Relation zwischen der Standardrente für Versicherte nach 45 Beitragsjahren und dem ermittelten Durchschnittseinkommen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – liegt bei rund 48 Prozent, Tendenz fallend. Das bedeutet, dass die gesetzliche Rente im Schnitt weniger als die Hälfte des letzten Nettoeinkommens beträgt.

Eine zusätzliche Altersvorsorge ist darum so wichtig, um die entstehende Rentenlücke zu schließen. Als Rentenlücke bezeichnet man die Differenz zwischen dem Rentenbezug und dem Einkommensbedarf zum Erhalt des bisherigen Lebensstandards. Wenn Sie im Job monatlich 3.000 Euro netto zur Verfügung hatten, liegt Ihr Geldbedarf im Ruhestand, ausgegangen von 80 Prozent, bei 2.400 Euro – beträgt die gesetzliche Rente monatlich 1.300 Euro, ergibt dies eine Rentenlücke von 1.100 Euro.

Durch die Berechnung der Versorgungslücke und damit auch Ihres Sparziels können Sie einen individuellen Sparplan erstellen und bis zum Renteneintritt beispielsweise von Zinsen und Renditen zu profitieren.

Besser spät als nie!

Nicht ein-, sondern anpacken: Sie haben im fortgeschrittenen Alter nicht weniger Möglichkeiten als jüngere Menschen – die private Vorsorge mit Fonds ist eine von verschiedenen Optionen, die Rentenlücke zu schließen. Für diese Sparform gibt es unterschiedliche Lösungen je nach persönlichem Bedarf. Ein Fonds-Depot, ob als Einmalanlage oder Fondssparplan, ist auch ab 50 Jahren durchaus sinnvoll. Bei 10 bis 15 Jahren bis zum Renteneintritt ist es besonders wichtig, einerseits die Risiken der Geldanlage im Blick zu behalten, andererseits aber auch Renditechancen zu nutzen.

Das Gute an einem Fonds-Portfolio ist, dass es aus mehreren Investmentfonds mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten von risiko- bis sicherheitsorientiert besteht. Sie investieren automatisch in viele verschiedene Wertpapiere, sodass die Risiken breit gestreut werden. Und Sie wählen selbst: Möchten Sie eine hohe Rendite erzielen, müssen Sie Risiken eingehen. In dem Fall enthält Ihr Portfolio einen hohen Anteil an Aktienfonds. Ist Ihnen die Sicherheit wichtiger als Rendite, überwiegen in der Regel Anleihefonds.

Je nach zur Verfügung stehenden Mitteln können Sie einen höheren Betrag in Investmentfonds investieren, monatliche Beträge in einen Fondssparplan anlegen oder beides kombinieren. Jederzeit können Sie Geld einzahlen, Sparraten anpassen oder Auszahlungen vornehmen.

Häufig gestellte Fragen zur Altersvorsorge mit Fonds

Die letzten Jahre vor dem Renteneintritt sind entscheidend, um die Weichen für einen finanziell sorgenfreien Ruhestand zu stellen und letzte wichtige Anpassungen vorzunehmen. Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum werden die letzten Beitragsjahre nicht höher gewichtet, jedoch bietet diese Zeit die letzte Chance, durch freiwillige Sonderzahlungen eventuelle Rentenabschläge auszugleichen. Zudem ist es ratsam, die private Anlagestrategie zu überprüfen und das angesparte Kapital durch eine Umschichtung in sicherere Anlageformen vor Marktschwankungen zu schützen. Nutzen Sie diese Zeit auch, um eventuelle Lücken im Versicherungsverlauf, etwa aus Studien- oder Erziehungszeiten, bei der Deutschen Rentenversicherung zu schließen und den Übergang in den Ruhestand, beispielsweise durch Altersteilzeit, flexibel zu planen. Eine sorgfältige Planung dieses „Endspurts“ ist somit Ihr Schlüssel, um das Beste aus Ihrer Altersvorsorge herauszuholen.

Die richtige Geldanlage im Ruhestand hängt stark von Ihren individuellen Zielen und Ihrer persönlichen Situation ab. Es gilt, eine gute Balance zwischen der Sicherheit Ihres Kapitals, attraktiven Renditechancen und der nötigen Flexibilität zu finden, um Ihr Vermögen vor Inflation zu schützen. Während klassische Anlagen wie Tages- und Festgelder die nötige Sicherheit für eine finanzielle Reserve bieten, sind breit gestreute Investmentfonds eine gute Möglichkeit, um am Kapitalmarkt an den Renditechancen teilzuhaben.

Der richtige Anlagebetrag ist eine individuelle Entscheidung, die von der persönlichen finanziellen Situation, dem Anlagehorizont und der Risikobereitschaft abhängt. Grundsätzlich sollte nur Kapital investiert werden, das nicht für die täglichen Ausgaben oder kurzfristige Ziele benötigt wird. Ein längerer Anlagezeitraum, wie bei der Altersvorsorge, ermöglicht in der Regel andere Anlagestrategien als ein kurzfristiger Sparprozess. Wichtig ist zudem, dass man sich mit der gewählten Strategie und den damit verbundenen möglichen Schwankungen wohlfühlt. Als Orientierung für den langfristigen Vermögensaufbau kann beispielsweise die Anlage von 10 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens dienen. Dies lässt sich bereits mit regelmäßigen Beträgen in einem Fondssparplan umsetzen, um so von den Entwicklungen am Kapitalmarkt zu profitieren.

Nein, beim direkten Kauf von Aktien ist der maximal mögliche Verlust auf das eingesetzte Kapital beschränkt. Fällt der Wert einer Aktie auf null, beispielsweise durch die Insolvenz eines Unternehmens, ist der ursprüngliche Anlagebetrag verloren. Ein Verlust, der darüber hinausgeht und eine Nachschusspflicht erfordert, entsteht für den Aktionär jedoch nicht.

Eine Ausnahme von dieser Regel gibt es nur bei bestimmten, spekulativen Finanzinstrumenten wie Hebelprodukten oder bei Leerverkäufen, bei denen unter Umständen Verluste entstehen können, die das eingesetzte Kapital übersteigen. Für Anleger, die in klassische Aktien oder breit gestreute Investmentfonds investieren, ist dieses Risiko der Nachschusspflicht in der Regel nicht relevant. Das Risiko eines Totalverlusts lässt sich zudem durch eine breite Streuung der Anlagen, wie sie Investmentfonds bieten, deutlich reduzieren.

Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht, denn die optimale Sparrate hängt immer von den persönlichen Zielen und den individuellen finanziellen Möglichkeiten ab. Wichtig ist, dass nur Geld investiert wird, das langfristig nicht für den Lebensunterhalt oder geplante Anschaffungen benötigt wird.

Als eine oft genannte Orientierung gilt die Empfehlung, rund 10 bis 15 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens für den langfristigen Vermögensaufbau zu verwenden. Für den Start muss es jedoch nicht sofort ein so hoher Betrag sein. Der entscheidende Vorteil einer regelmäßigen Geldanlage, beispielsweise mit einem Fondssparplan, liegt darin, dass man oft schon mit kleinen Beträgen monatlich beginnen kann. Bei der SIGNAL IDUNA können Sie beispielsweise bereits ab 100 Euro monatlich investieren.

So lässt sich schrittweise ein Vermögen aufbauen, und die Sparrate kann bei einem höheren Einkommen oder veränderten Lebensumständen jederzeit flexibel angepasst werden. Das Wichtigste ist, den ersten Schritt zu machen und anzufangen.

Anja Klemm

Content Creator

Ob für Mangas oder Mode - Anja Klemm war schon in vielen Bereichen redaktionell tätig. Der Zufall brachte die Texterin in die Finanzbranche, die sie sich so vielfältig gar nicht vorgestellt hatte. Heute ist Anja als Content Creator Teil unseres Marketing-Teams. Sie textet, was das Zeug hält und ist immer zur Stelle, wenn es um Ideenfindung und kreativen Input geht.