Firmenübernahme: Was ist zu tun, was zu beachten?

Eine bestehende Firma übernehmen, statt neu zu gründen:
Glücksgriff oder Tritt in die Schlangengrube? Erfahren Sie alles über die Vor-und Nachteile einer Unternehmensnachfolge, nützliche Strategien und die richtige Vorgehensweise bei der Übernahme.

Veröffentlicht am 26.05.2026

Die Übernahme einer bestehenden Firma stellteine interessante Alternative zur Existenzgründung dar.   

 

Bei einer externen Übernahme ist es besonders wichtig, das Unternehmen umfassend zu analysieren.

 

Fachkundige Beratung macht es einfacher, die wirtschaftliche Situation, Personalstruktur, Risiken und Versicherungen sowie rechtliche Aspekte genau zu prüfen.

 

Für einen sanften Übergang sollten Mitarbeitende möglichst früh eingebunden werden und die Einarbeitungsphase großzügig bemessen sein.

Eine Firma übernehmen – Chance oder Risiko?

Die Tochter übernimmt das Familienunternehmen. Ein langjähriger Mitarbeiter führt den Betrieb fort, weil der Chef in Rente geht. Eine etablierte Firma steht zum Verkauf an eine externe Person: drei Varianten der Unternehmensnachfolge.

Etabliertes Unternehmen, neue Leitung

Bei einer Firmenübernahme erwirbt eine neue Inhaberin oder ein neuer Inhaber ein Unternehmen komplett oder zu großen Teilen. Für Menschen mit Unternehmergeist kann das eine interessante Alternative zur Existenzgründung sein. Warum?

  • Sie fangen nicht bei null an, sondern bauen auf ein solides Fundament (erfahrene Mitarbeitende, eingespielte Abläufe, etablierte Geschäftskontakte etc.).
  • Sie machen bereits Umsatz, während Gründerinnen und Gründer noch am Businessplan feilen.
  • Sie können vom Vorbild lernen und das Geschäftsmodell optimieren.

Im Optimalfall lautet die Kurzformel bei einer Firmenübernahme: solides Fundament + frisches Know-how + Tatendang = Erfolg

Ein guter Plan für die Nachfolge

Damit die Firmenübernahme erfolgreich verläuft, müssen wesentliche Voraussetzungen stimmen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Chancen und Risiken verschiedener Übernahmemodelle gründlich analysieren und die Unternehmensnachfolge bestmöglich vorbereiten können. 

Arten der Firmenübernahme

1

Übernahme innerhalb der Familie

  • Die Idealvorstellung vieler Unternehmerinnen und Unternehmer: Eines der Kinder tritt die Nachfolge an und führt das Familienunternehmen weiter.
  • Wenn die Tochter oder der Sohn Schritt für Schritt in den elterlichen Betrieb hineinwächst, sich fachlich qualifiziert und bewusst für die Übernahme entscheidet, steht dem Generationenwechsel nichts im Wege.
  • Wichtig ist, dass die Eltern Verantwortung abgeben und familiäre Strukturen die betrieblichen Abläufe nicht behindern.
2

Externe Übernahme

  • Ob fehlende Nachfolge aus eigenen Reihen oder strategische Überlegungen: Für den externen Verkauf eines Unternehmens gibt es unterschiedliche Gründe.
  • Die erste große Herausforderung besteht in der Anbahnung: Wie findet ein Unternehmen einen passenden Nachfolger? Wie gelangt eine Kaufinteressentin an ein Unternehmen, das ihren Vorstellungen entspricht?
  • Ein guter Kontakt zwischen der scheidenden und der neuen Unternehmensleitung ist besonders wichtig. Im Idealfall führen beide die Firma ein Jahr lang gemeinsam, bis es zur Übergabe kommt.

 

3

Betriebsinterne Übernahme

  • Ein bewährtes Modell: Geht die Chefin oder der Chef in den Ruhestand, so übernehmen Mitarbeitende den Betrieb – entweder allein oder im Team.
  • Ein längeres Hineinwachsen inklusive Blick hinter die Kulissen (Finanzen, Personalangelegenheiten …) erleichtert die Übergabe.
  • Es ist nicht einfach, den Wechsel vom Team in die Chefetage zu meistern. Hier gilt: Auf ehrliche Kommunikation setzen, denn Transparenz schafft Vertrauen.

 

Eine Firma übernehmen: Pro & Contra

  • einfache Finanzierung, da etabliertes Unternehmen

  • Möglichkeit, schnell Umsätze zu erzielen

  • Sicherheit durch vorhandenen Kundenstamm und etablierte Geschäftsbeziehungen.

  • Stabilität durch erfahrene Mitarbeitende/bestehende Organisation

  • neue Impulse durch frisches Know-how

  • auf Bewährtes bauen (Infrastruktur, Betriebsabläufe etc.)

  • hoher Kaufpreis (im Vergleich zu Investitionskosten bei Existenzgründung)

  • evtl. Investitionsstau bzw. hohe Kosten für Neuausrichtung

  • vorgegebene Strukturen, wenig Flexibilität

  • möglicherweise Widerstand von Beschäftigten und Abwanderung von Kundschaft

  • begrenzter Gestaltungsspielraum im Vergleich zu Neugründung

  • übernommene Verträge/Verpflichtungen und eingefahrene Abläufe können belastend sein

Selbst-Check: Reif für die Firmenübernahme?

  • Habe ich das nötige Startkapital, um denKaufpreis plus notwendige Investitionen und Beratungshonorare zu bezahlen?
  • Kenne ich den Betrieb und die Branche gut genug?
  • Habe ich die erforderliche fachliche Qualifikation und ausreichend Führungserfahrung?
  • Kann ich mir ausreichend Zeit nehmen für einen begleiteten Übergang?
  • Kann ich das Vertrauen der Beschäftigten gewinnen, Geschäftsbeziehungen pflegen und ausbauen?

Wie läuft die Firmenübernahme ab?

 

Schritt 1: Kennenlernen

Falls die Firma nicht an die jüngere Generation oder langjährige Mitarbeitende übergeht, sollten Sie als Kaufinteressentin oder -interessent viel Zeit für Vorgespräche einplanen – nicht nur auf Führungsebene, sondern auch mit Beschäftigten. Das ist wichtig, um die Unternehmensphilosophie, das Betriebsklima, Arbeitsabläufe sowie das Portfolio möglichst gut kennenzulernen und Einblick in die wirtschaftliche Situation zu erhalten.

Schritt 2: Interesse bekunden, Vertraulichkeit sichern

Eine Absichtserklärung („Letter of Intent“) oder Vertraulichkeitsvereinbarung sichert dabei ab und schützt sensible Informationen des Unternehmens. Im Hinblick auf den Firmenkauf ist dieses Dokument für beide Seiten völlig unverbindlich.

Schritt 3: Sorgfältig analysieren

Der Fachbegriff für diesen wichtigen Teil im Vorfeld einer Firmenübernahme nennt sich „Due Diligence“ (wörtlich: gebotene Sorgfalt). Gemeint ist die systematische Analyse aller wichtigen Infos zum Unternehmen, um sicher über den Kauf entscheiden zu können. Beide Seiten sollten sich dabei professionell beraten lassen – zum Beispiel durch eine Unternehmensberatung, die auf Nachfolge spezialisiert ist.

Was steht auf dem Prüfstand?

  • wirtschaftliche Prüfung (z. B. Umsatz, Marktposition, Gründe für Verkauf etc.)
  • rechtliche Prüfung (z. B. Verträge mit Lieferanten etc.)
  • Personalprüfung (z. B. Mitarbeiterstruktur und -verträge)
  • Risiko- und Versicherungsprüfung (z. B. Deckungssummen, Haftungsrisiken etc.)

Schritt 4: Fortführungsplan erarbeiten

Der Fortführungsplan bei einer Firmenübernahme entspricht dem Businessplan bei einer Existenzgründung. Er enthält Ausführungen zu Themen wie Rechtsform, Finanzierung, Mitarbeiterstruktur, Positionierung im Wettbewerb etc.

Schritt 5: Kaufpreis aushandeln

Das Aushandeln des Kaufpreises verlangt Fingerspitzengefühl und Respekt auf beiden Seiten. Wer sein Unternehmen verkauft, hat viel Herzblut, Zeit und Geld investiert und will dafür angemessen entlohnt werden. Für den Käufer oder die Käuferin zählt jedoch vor allem die Zukunftsperspektive, etwa die Prognose zur Geschäftsentwicklung.

Schritt 6: Finanzierung sicherstellen

Neben dem Kaufpreis fallen bei der Übernahme eines Unternehmens weitere Kosten an, zum Beispiel für Investitionen (Renovierungskosten, Kosten für neue Maschinen) sowie für Unternehmens- und Rechtsberatung. All diese Ausgaben müssen Sie im Finanzierungsplan berücksichtigen. Überlegen Sie auch, wie Sie den Kauf finanzieren wollen: mit Eigen-, Fremdkapital und/oder öffentlichen Fördermitteln?

Schritt 7: Übernahmevertrag gestalten

Mit dem gemeinsamen Ausarbeiten des Übernahmevertrags sind Sie schon fast am Ziel der Firmenübernahme. Lassen Sie sich dabei juristisch beraten. Der Übernahmevertrag regelt zum Beispiel, zu welchem Termin die Firma in die neuen Besitzverhältnisse übergeht, zu welchem Kaufpreis und mit welchem Inventar.

Tipps für einen guten Start

  • Lassen Sie sich im Vorfeld gut beraten, ob die Firmenübernahme das Richtige für Sie ist. Suchen Sie sich dafür eine Unternehmensberatung mit Erfahrung im Bereich Nachfolge. Auch Mentorinnen und Mentoren mit eigener Praxiserfahrung sind sehr hilfreich.
    • Beratung zu wirtschaftlichen, personellen und organisatorischen Fragen bieten zum Beispiel Industrie- und Handelskammern, Anwälte und Anwältinnen sowie Steuerberatungen. Auch bei Coachings und Events zum Thema Firmenübernahme können Sie sich unverbindlich informieren.
      • Planen Sie Ihren Kapitalbedarf sorgfältig. Er ist bei einer Firmenübernahme meist deutlich höher als bei einer Existenzgründung. Informieren Sie sich über Fördermöglichkeiten.
        • Nehmen Sie sich Zeit für einen sanften Übergang: Begleiten Sie Ihren Vorgänger/Ihre Vorgängerin möglichst lange im Betriebsalltag und lernen Sie in dieser Zeit Mitarbeitende, Kundschaft und Geschäftspartner kennen. Wer frühzeitig Vertrauen aufbaut, riskiert weniger Abwanderung von Fachkräften und Verluste von Kundschaft.
          • Achten Sie auf eine transparente Kommunikation nach innen (Beschäftigte) und außen (Kundschaft, Lieferanten). Informieren Sie Mitarbeitende so früh wie möglich über den geplanten Inhaberwechsel. Binden Sie Führungskräfte ein, sodass diese den Übernahmeprozess begleiten und unterstützen.

          Aus dem Unternehmensalltag

          Beispiel 1: Die übersehene Cyber-Gefahr

          Situation: Robin ist Betriebswirt und ein echter Computerfreak. Als sich die Chance bietet, einen kleinen Online-Handel zu übernehmen, zögert er nicht lange. Im Vorfeld der Firmenübernahme prüft er die Bilanzen: alles bestens. In seiner Begeisterung übersieht der angehende Unternehmer jedoch ein wichtiges Detail: die Frage nach der IT-Sicherheit.

          Problem: Zwei Monate nach der Übernahme legt ein Hackerangriff den Online-Shop lahm. Es stellt sich heraus, dass die Sicherheitsarchitektur veraltet war. Erst jetzt fällt Robin auf, dass sein Vorgänger keine Cyber-Versicherung abgeschlossen hatte. Der Jungunternehmer ist schockiert: Für den Schaden muss er mit seinem privaten Vermögen haften.

          Konsequenz: hohe Kosten für IT-Forensik, Betriebsunterbrechung und Imageschaden

          Beispiel 2: Mit Netz und doppeltem Boden

          Situation: Olena ist Bodenlegemeisterin und schon seit über zehn Jahren die rechte Hand ihres Chefs. Als dieser in den Ruhestand geht, bietet er seiner besten Mitarbeiterin die Firma zur Übernahme an. 

          Problem: Da Olena eine Familie versorgt, wägt sie ihre Entscheidung gut ab. Sie führt viele Gespräche mit ihrem Chef und holt sich externen Rat. Während der Due Diligence stellt sie fest, dass die Betriebshaftpflicht des Unternehmens für aktuelle Verhältnisse eine viel zu geringe Deckungssumme hat.

          Lösung: Vor der Übernahme verhandelt Olena mit SIGNAL IDUNA einen neuen, umfassenden Versicherungsschutz. Kurz darauf passiert es: Eine Schleifmaschine beschädigt bei Renovierungsarbeiten das teure Parkett eines Großkunden. Der Boden muss komplett erneuert werden. Zum Glück übernimmt Olenas Betriebshaftpflicht den Schaden in vollem Umfang. Die Unternehmerin ist erleichtert und dankbar für die
          reibungslose Abwicklung. 

          Wenn die Voraussetzungen stimmen, bietet die Übernahme einer bestehenden Firma große Chancen. Um die Risiken einzugrenzen, sollten angehende Unternehmerinnen und Unternehmer sich im Vorfeld fachkundig beraten lassen.

           

          Prüfen Sie nicht nur wirtschaftliche Kennzahlen, sondern klären Sie auch personelle Fragen und rechtliche Rahmenbedingungen. Eine ausgedehnte Einarbeitungsphase sowie Gespräche mit Mitarbeitenden und Kundschaft stärken das Vertrauen, sodass ein sanfter Übergang gelingt.

          FAQ

          Industrie- und Handelskammern (IHK) oder Handwerkskammern (HWK) bieten Erstberatung und geben Orientierung.

          Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und Ihre Hausbank helfen, die Finanzierung zu klären.

          Die Bürgschaftsbank prüft Sicherheiten.

          Steuerberatungen, Rechtsanwältinnen und -anwälte prüfen Zahlen und Verträge.

          Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA-Beratung) hilft bei der Detailprüfung des Unternehmens.

          Nachfolgebörsen und -Plattformen (z. B. https://www.nexxt-change.org) erleichtern die Suche nach einem passenden Unternehmen.

          Internetportale wie https://www.nachfolge-in-deutschland.de oder https://nachfolgewiki.de/index.php/Hauptseite  geben einen guten Überblick.

          In Deutschland gibt es zahlreiche Fördermöglichkeiten. Sie unterscheiden sich zum Teil regional und lassen sich unterteilen in

          • öffentliche Finanzierungshilfen (z. B. KfW-Unternehmerkredit)
          • Landesförderungen
          • Zuschüsse (z. B. für Beratung; müssen nicht zurückgezahlt werden)
          • spezielle Förderungen für bestimmte Branchen (z. B. Handwerk)
          • private Förderinstrumente (z. B. stille Beteiligungen)

          Zudem profitieren Sie bei einer Firmenübernahme von steuerlichen Vorteilen wie Sonderabschreibungen und dem Investitionsabzugsbetrag.

           

          Der Wert eines Unternehmens setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen wie VermögenErtragskraft, Risiken und Zukunftsaussichten. Diese sollten Sie bewerten. Dabei helfen anerkannte Bewertungsverfahren für unterschiedliche Branchen und Arten von Unternehmen. Für Handwerksbetriebe ist zum Beispiel das AWH-Verfahren empfehlenswert. Handwerkskammern unterstützen mit Beratung und neutraler Wertermittlung.  

          • Prüfen Sie, ob Sie die Zulassungsvoraussetzungen der Handwerksordnung erfüllen (z. B. Meisterbrief).
          • Analysieren Sie die wirtschaftliche Lage des Betriebes (Zahlen/Bilanzen, Verträge, Kundenstruktur und Marktposition, technische Ausstattung, rechtliche Risiken, Zukunftsfähigkeit).
          • Prüfen Sie die Mitarbeiterstruktur (Alter, Qualifikationen etc.) und alle bestehenden Verträge (Arbeitsverträge, Versicherungen, Mietverträge etc.).
          • Ermitteln Sie den Unternehmenswert und berücksichtigen Sie den Standort sowie die Ausstattung.
          • Erstellen Sie eine realistische Finanzplanung.

          Ja. Bei einem Betriebsübergang gehen laut § 613a im Bürgerlichen Gesetzbuch alle Arbeitsverhältnisse automatisch und unverändert auf die neue Inhaberin/den neuen Inhaber über. Sie müssen also alle Beschäftigten übernehmen. Kündigungen aus anderen Gründen – zum Beispiel betriebsbedingt bei einer echten Umstrukturierung – sind allerdings möglich.

          Dabei kommt es auf die Form der Übernahme an: Bei einem Betriebsübergang gehen die Versicherungen nicht automatisch an die neue Inhaberin/den neuen Inhaber über. Ist mit dem Firmenkauf jedoch auch der Kauf einer Immobilie verbunden, gehen Mietverträge über. Prüfen Sie im Vorfeld unbedingt alle bestehenden Policen und sichern Sie neue Risiken ab.