Marlene Meier arbeitet in der Marketing-Agentur „Ideenwerft“ und ist dort für die Buchhaltung zuständig. Während sie mitten im Quartalsabschluss steckt, erhält sie eine E-Mail – vermeintlich vom Geschäftsführer der Agentur. Darin wird sie gebeten, 16.643,79 Euro für dringend benötigte Kampagnen-Materialien auf ein externes Konto zu überweisen. In der Annahme, dass tatsächlich ihr Chef sie aufgefordert hat, überweist sie den Betrag. Was erst später rauskommt: Absender war in Wahrheit ein Hacker, das Geld ging an ihn.*
So funktioniert die Masche: Cyberkriminelle nehmen die Identität vertrauenswürdiger Personen an und verleiten Mitarbeitende dazu, Geld zu überweisen oder sensible Daten weiterzuleiten. „Dazu hacken sie die E-Mail-Konten, um Nachrichten mitzulesen, zu speichern und zu verschicken“, erklärt Marcel Frenzel. „Das ist häufig einfach, weil sich E-Mail-Adressen im Unternehmenskontext erraten lassen und Passwörter nicht immer sicher genug sind.“ Vom gehackten Konto verschicken die Hacker gefälschte E-Mails – mitunter sogar gezielt zu einem Zeitpunkt, zu dem der Stresspegel im Unternehmen hoch ist. Auch den Schreibstil der Person imitieren Hacker oder fälschen Rechnungsdaten, um eine möglichst authentische Nachricht zu erstellen. „Solche Angriffe sind für viele Unternehmen schnell sehr kritisch“, warnt der IT-Experte.
So schützen Sie sich: In erster Linie gilt es, E-Mail-Konten vor Cyberangriffen zu schützen. „Ein sicheres Passwort und eine Zwei-Faktor-Authentifizierung, also das Bestätigen der Identität mit zwei Methoden, sind hier elementar“, weiß Marcel Frenzel. Zusätzlich ist es wichtig, alle Beschäftigten zu sensibilisieren. „Kommen Überweisungsaufträge zum Beispiel plötzlich und sind ganz dringend, ist das verdächtig und sollte abgeklärt werden“, rät der Experte von Perseus. „Natürlich dann nicht über die E-Mail-Adresse, sondern lieber telefonisch.“