Als Mutter überfordert: Wenn der Alltag an die Substanz geht

Zerrissen zwischen Job, Haushalt und den Bedürfnissen ihrer Kinder, erschöpft bis auf die Knochen, während sie jeden Tag Enormes leisten. Viele Mütter und Väter kennen dieses Gefühl. Achtsamkeitsexpertin Lisa Rehorst erklärt im Interview, warum der Druck so groß ist, wann Erschöpfung krank macht und welche ersten Schritte wirklich helfen.

David Bläsing
Veröffentlicht am 01.09.2026
8 Min. Lesezeit
  • Fast 70 Prozent der Eltern in Deutschland fühlen sich erschöpft oder ausgebrannt. 
  • Mental Load liegt überwiegend bei Müttern, auch wenn beide Elternteile in Vollzeit arbeiten. 
  • Der Stress kommt nicht nur von außen: Trotzphasen, Schulprobleme und besondere Bedürfnisse der Kinder belasten Eltern zusätzlich. 
  • Mama-Burnout und Parental Burnout sind ernstzunehmende Zustände, die professionelle Hilfe brauchen. 
  • Selbstfürsorge ist keine Schwäche, sondern die wichtigste Ressource für Eltern. 
  • Das Elterntelefon ist kostenlos, anonym und montags bis freitags erreichbar.

Sei die perfekte Mutter, aber vergiss dich nicht: Der tägliche Eltern-Spagat

Es ist kurz nach 18 Uhr. Das Essen kocht über, das Kind quengelt, auf dem Handy leuchtet eine dringende Mail vom Vorgesetzten auf. In diesem Moment jonglieren Sie nicht nur Töpfe und Termine. Sie jonglieren widersprüchliche Erwartungen, die von außen kommen und die Sie längst verinnerlicht haben.

Sei eine geduldige, kreative Bastel-Mama, aber bring gleichzeitig die Karriere voran. Koch jeden Tag frisch und gesund, aber halte dabei auch noch deinen Körper in Form. Sei immer für dein Kind da, aber vergiss dabei dich selbst nicht. Schlaf, wenn das Baby schläft, aber nutze diese Zeit auch für den Haushalt oder für dich. Diese Botschaften prasseln täglich auf Eltern ein, oft gleichzeitig, oft widersprüchlich, fast immer ohne Pause.

Lisa Rehorst, Personalentwicklerin bei SIGNAL IDUNA und zertifizierte Achtsamkeitstrainerin, kennt diesen inneren Kopfspagat aus ihrer täglichen Arbeit. Sie begleitet Menschen in belastenden Lebenssituationen und weiß: Der Druck kommt von außen und von innen. „Ich erlebe das so: Wenn die Kinder noch ganz klein sind, im Säuglingsalter, müssen deren Bedürfnisse meist ad hoc erfüllt werden. Als junge Mutter muss man viele eigene Bedürfnisse immer wieder zurückstellen und über eigene Grenzen gehen.“ 

Lisa Rehorst

Personalentwicklerin

Lisa Rehorst ist seit 2024 als Personalentwicklerin bei SIGNAL IDUNA tätig. Als Beraterin und ehemalige Führungskraft besitzt sie langjährige Erfahrung in der Begleitung von Menschen durch berufliche Veränderungen und Umbruchphasen. Heute unterstützt sie insbesondere Führungskräfte bei ihrer Weiterentwicklung. Als zertifizierte MBSR-Lehrerin (Mindfulness-Based Stress Reduction) verbindet sie ihre fundierte Praxis im Konzernumfeld mit praxiserprobten Ansätzen der Stressbewältigung im Alltag.

Vom Dauerkümmern zum Dauerstress

„Problematisch wird es, wenn dies zum Dauerzustand wird. Ich bin schon Müttern von erwachsenen Kindern begegnet, die berichten, erst jetzt das erste Mal wieder ein Wochenende für sich gehabt zu haben“, berichtet Rehorst. Was als natürliche Hingabe in den ersten Lebensjahren des Kindes beginnt, wird für viele Mütter zu einem Dauerzustand des Kümmerns, aus dem sie nur schwer wieder herauskommen.

Besonders deutlich spüren das Alleinerziehende. Wer die gesamte Verantwortung für Kind, Haushalt und Einkommen allein trägt, kennt keine Übergabe, keine Auszeiten, keine Vertretung. Der Druck, der sich bei Paaren auf zwei Schultern verteilt, lastet hier auf einer einzigen Person.

Und auch immer mehr Väter kennen dieses Gefühl. Der Anspruch, modern und emotional präsent zu sein, eine aktive Vaterrolle zu leben und gleichzeitig den alten Erwartungen an den Hauptverdiener zu genügen, reibt sich täglich an der Realität. Der Eltern-Spagat ist längst kein rein weibliches Thema mehr.

Elternschaft als extreme Leistung

Was bleibt, ist das Gefühl, nie ganz zu genügen. Nie präsent genug, nie geduldig genug, nie ausgeruht genug. Lisa Rehorst ordnet das klar ein: „Achtsam sein bedeutet, diese Gefühle wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten. Es ist okay, dass ich mich gerade so fühle. Das Gefühl ist nicht falsch, sondern tatsächlich ist das Leben gerade herausfordernd und anstrengend. Das ist spürbar. Es wäre eher riskant, dies roboterähnlich nicht wahrzunehmen. Allein durch dieses Wahrnehmen und Daseinlassen der eigenen Überforderung ist man etwas näher bei sich und fühlt sich möglicherweise weniger von außen getrieben. Wahrnehmen ist der erste Schritt.“

Eines ist dabei das Wichtigste: Wer sich in dieser Situation zerrissen und erschöpft fühlt, reagiert völlig normal auf extreme Anforderungen. Der Druck ist real, er ist messbar, und er trifft Millionen von Eltern in Deutschland.

Warum so viele Eltern erschöpft sind: Was Studien belegen

Das Gefühl, nicht zu genügen, ist keine persönliche Schwäche. Es ist eine messbare gesellschaftliche Realität. Aktuelle Studien zeichnen ein deutliches Bild.

Fast 70 Prozent der Eltern in Deutschland fühlen sich erschöpft, 40 Prozent stehen unter gesundheitsgefährdendem Dauerstress. Das zeigt eine Umfrage der Kaufmännischen Krankenkasse aus dem Jahr 2024, auf die sich auch eine aktuelle Analyse zu Mental Load und Elternstress im Fachmagazin Sozial Extra (van der Meer et al., Springer Nature, 2025) bezieht.

Mütter stemmen den Alltag

Besonders Mütter tragen die Hauptlast: 62 Prozent von ihnen fühlen sich stark belastet, bei Vätern liegt dieser Wert bei 31 Prozent. Und 63 Prozent der Mütter geben an, an mehr als der Hälfte aller Tage allein für den Familienalltag zuständig zu sein. Das zeigt eine repräsentative Studie der hkk Krankenkasse zusammen mit dem Forsa-Institut aus dem Oktober 2025, für die über 1.500 Mütter und Väter befragt wurden.

Einen zentralen Grund dafür liefert die erste umfassende Untersuchung zum Thema Mental Load in Deutschland: Forschende des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung haben rund 2.200 erwerbstätige Personen befragt. Ihr Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, die Alltagsaufgaben der Familie zu planen, zu organisieren und daran zu denken, liegt bei Frauen bei 62 Prozent, bei Männern bei lediglich 20 Prozent. Und das selbst dann, wenn Frauen in Vollzeit arbeiten (Lott/Bünger, WSI Report Nr. 87, 2023).

Die Folgen für die mentale Stabilität von Müttern sind erheblich: Forschende des Forschungsverbunds Familiengesundheit an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben Daten von rund 1.450 Müttern ausgewertet und festgestellt: Die Elternrolle ist der größte Einflussfaktor auf die mentale Stabilität von Müttern. Wer sich in der Mutterrolle unsicher fühlt, empfindet einen messbar höheren Stresslevel. Besonders häufig treten dabei Angststörungen sowie anhaltende Veränderungen der Stimmung auf (Kirsch et al., BMC Women's Health, August 2025).

Und das ist kein kurzfristiges Phänomen: Bei mehr als 46 Prozent der Mütter verschlechtert sich das mentale Wohlbefinden in den sieben Jahren nach der Geburt des ersten Kindes, bei knapp 30 Prozent sogar substanziell. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis der SOEP-Langzeitdaten.

Was die Expertin sagt: Einordnungen von Lisa Rehorst

Lisa Rehorst kennt diese Zahlen nicht nur aus Studien. Sie begegnet dem Druck, den Eltern erleben, täglich in ihrer Arbeit als Personalentwicklerin und Achtsamkeitstrainerin bei SIGNAL IDUNA. Ihr Blick auf das Thema ist klar: Der Stress, den Eltern empfinden, entsteht einerseits durch innere und äußere Erwartungen und Ansprüche. Andererseits ergibt sich der Stress auch durch die tatsächlichen Umstände: durch die Kinder selbst, durch Trotzphasen, Schulprobleme, Aggressionen oder besondere Bedürfnisse, immer in Verbindung mit den restlichen Anforderungen des Lebens wie beispielsweise dem Beruf.

„Wenn es gerade ganz schwer ist, dann hilft manchmal einfach nur der Gedanke: Es wird wieder besser werden. Dies ist nur eine Phase“, erklärt Rehorst. Diese Zuversicht, dass eine schwierige Phase endlich ist, beschreibt Rehorst als eine der wichtigsten mentalen Ressourcen für Eltern. „Manchmal muss man sich an die kleinen Dinge halten. An die Zuversicht.“

Wenn Mama sich selbst vergisst

Ein Muster, das Rehorst immer wieder beobachtet: Eltern, vor allem Mütter, stellen die eigenen Bedürfnisse so lange zurück, bis sie gar nicht mehr wissen, was ihnen eigentlich guttun würde. „Wer immer etwas muss, weiß nicht mehr, was er möchte. Helfen kann innehalten. Sich Zeit nehmen zum Spüren der eigenen Bedürfnisse und dann zu planen, wie diese in der Realität erfüllt werden können.“

Besonders der Alltag mit Kindern in anstrengenden Phasen zehrt an der mentalen Kraft. Ob Trotzphase, Pubertät oder schulische Schwierigkeiten: Den Stress, der direkt vom Kind ausgeht, werten Eltern oft als eigenes Versagen. Rehorst nimmt diese Schuldgefühle gezielt in den Blick: „Es ist normal, sich abends zu fragen, ob man alles richtig gemacht hat. Ob man anders hätte reagieren können, um eine Eskalation zu vermeiden. Sich diese Gedanken zu machen, zeigt ja schon, dass man reflektiert und um das Wohl der Kinder sehr bemüht ist.“ 

Das Chaos aushalten lernen

„Sich zu denken: ‚Der Boden ist nicht sauber und die Küche chaotisch: Es ist okay, wenn das bis morgen so ist. Ich gehe jetzt ins Bett und lese, statt nachts noch die Wohnung aufzuräumen.‘ Denn den Kindern ist das oft egal. Es hat keinen lebensverändernden Einfluss auf die Kinder. Das sollte man sich bewusst machen.“

Rehorst rät Eltern, klar zwischen essenziellen und nicht essenziellen Pflichten zu unterscheiden. „Eltern können sich im Zweifelsfall die Frage stellen ‚Hat dies lebensverändernde Folgen oder nicht?‘ Bei einer vergessenen Regenjacke, einer mal nicht gewischten Wohnung oder Mandarinen statt selbstgebackenem Kuchen zur Kita-Weihnachtsfeier wird deutlich: Es kommt nicht drauf an. Sehr viel hilfreicher ist es, kleine Energiereserven für die eigenen Bedürfnisse einzusetzen“, fasst sie zusammen. 

Souveräne Eltern für starke Kinder

„Das ist wie mit der Sauerstoffmaske im Flugzeug: Erst muss man sich selbst helfen, damit man langfristig und ausdauernd für andere da sein kann.“ Dass dies im Alltag leichter gesagt als getan ist, weiß die Expertin aus eigener Erfahrung: „Achtsamkeit im Dauerstress aufrechtzuerhalten, ist schwierig.

Als Eltern ist man ständig auf das Kind fokussiert. Da ist es umso wichtiger, auch im Jetzt zu sein und sich selbst zu spüren. Es ist viel angenehmer für die Kinder, eine souveräne Mutter oder einen souveränen Vater zu haben.“

Mama-Burnout und Parental Burnout: Wann Erschöpfung krank macht

Erschöpfung gehört zum Elternsein wie die Windeln und der Elternsprechtag. Aber es gibt einen Punkt, an dem normale Erschöpfung in etwas kippt, das professionelle Unterstützung braucht. Dieser Punkt nennt sich Parental Burnout oder Mama-Burnout.

Lisa Rehorst beschreibt, wie sich dieser Zustand ankündigt: „Die Symptome können ganz unterschiedlich sein. Vielleicht zeigt es sich durch extreme Gereiztheit, schnelles Lautwerden, Schlafprobleme. Oder durch körperliche Symptome wie häufige Infekte, Kopf- oder Bauchschmerzen, Verspannungen oder Verdauungsbeschwerden. Und diese Anzeichen von Stress und Überforderung festzustellen, ist wertvoll. Es ist der erste Schritt hin zu einer möglichen Veränderung.“

Konkrete Anzeichen, die auf einen Eltern-Burnout hinweisen können:

Tiefe körperliche Erschöpfung, die auch nach Schlaf nicht nachlässt

Ständige Gereiztheit und häufige Wutausbrüche, die unverhältnismäßig wirken

Wiederkehrende körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Schlafstörungen

Wachsende emotionale Distanz zum eigenen Kind, ein Gefühl von innerem Rückzug

Das dauerhafte Gefühl, zu versagen, obwohl man alles gibt

Zynismus oder das Empfinden, dass nichts mehr Freude macht

Wer mehrere dieser Anzeichen über einen längeren Zeitraum bei sich beobachtet, sollte professionelle ärztliche oder therapeutische Unterstützung suchen. Denn auch Eltern dürfen an ihr eigenes Wohlergehen denken. 

Veränderung von innen und außen

Rehorst betont dabei, dass Veränderung auf zwei Ebenen möglich ist: „Wir können innen und außen etwas ändern, also einerseits in unserer Einstellung und unserem Umgang mit den Herausforderungen, aber andererseits können wir auch an den Umständen etwas ändern, zum Beispiel an der Betreuungssituation oder Hilfe durch andere. Manchmal müssen wir kreative Lösungen finden.“

Das Lieblingsstofftier flicken, das Hockey-Spiel am Samstag einplanen und den Kuchen für die Schulfeier backen: All das sind To-dos, die Eltern im Hinterkopf haben. Dieses unsichtbare Projektmanagement für die Familie nennt sich Mental Load. Doch Mental Load besteht weniger darin, diese Dinge nach und nach abzuarbeiten, sondern vor allem darin, sie die ganze Zeit auf dem Schirm zu haben und den Familienalltag zu koordinieren.

Konkret bedeutet das: rechtzeitig an neue Kinderschuhe denken, bevor die alten drücken. Den nächsten Impftermin im Kopf haben und ihn vereinbaren. Ein Geschenk für den Kindergeburtstag nächste Woche besorgen. Wissen, wann das Schulprojekt abgegeben werden muss. Diese kognitive und emotionale Daueraufmerksamkeit kostet permanent Energie, ist für andere kaum sichtbar und ruht in den meisten Familien überwiegend auf den Schultern der Mütter.

Überfordert mit Kindern: Erste Schritte, die wirklich helfen

1. Überforderung anerkennen und aussprechen

Wenn der Druck zu groß wird, ist der erste und oft schwerste Schritt: benennen, was los ist. Nicht nur weiter funktionieren und so tun, als wäre alles in Ordnung.

Lisa Rehorst ist überzeugt, dass das Aussprechen von Überforderung keine Niederlage ist, sondern der Beginn einer Veränderung. „Es ist ganz wichtig zu äußern, wie es einem geht. Man muss seine Erwartungen manchmal auch klar und konkret formulieren, statt zu hoffen“, erklärt sie.

Ob mit dem Partner oder der Partnerin, mit Freundinnen und Freunden oder in Elterngruppen: Sich auszutauschen kann guttun. „Gerade, wenn man Erwartungen an andere Menschen hat, wie den Partner oder die Großeltern, hilft es, diese ganz konkret zu formulieren. Das ist die Verantwortung, die wir als Erwachsene für uns und unsere Situation übernehmen sollten. Nur wenn die Erwartungen artikuliert sind, können sie von den anderen berücksichtigt werden. Zu hoffen, andere wissen schon, wie es einem geht und was man braucht, führt in den meisten Fällen zu Enttäuschung und Frustration.

Das Gespräch darüber, wer welche Last trägt und wie die Aufgaben anders verteilt werden können, ist kein Angriff, sondern ein erster Schritt zu mehr Leichtigkeit im Familienalltag. 

2. Perfektionismus ablegen: Gut genug ist die beste Mutter

Eine Gut-genug-Mutter ist die beste Mutter. Dieser Satz klingt einfach, fühlt sich aber für viele Eltern in unserer Gesellschaft irgendwie falsch an. Dabei ist das Loslassen von Perfektionsansprüchen eine der wirksamsten Entlastungsstrategien überhaupt. Rehorst ordnet ein: „Ein eigener Perfektionsanspruch kann tief in der Persönlichkeit verankert sein und lässt sich nicht auf die Schnelle ändern. Auch hier kann wieder die Einschätzung helfen: Handelt es sich um etwas mit lebensverändernden Folgen für mein Kind, wenn ich es jetzt nicht tue oder nicht ganz so perfekt tue? In der Regel ist die Antwort Nein.“

3. Selbstfürsorge neu denken: Inseln der Ruhe im Alltag

Selbstfürsorge bedeutet nicht Wellness-Wochenende oder stundenlange Auszeiten, die ohnehin nicht realistisch sind. Rehorst beschreibt es so: „Was man als Selbstfürsorge betrachtet, kann sich im Laufe des Lebens ändern. Vielleicht war es früher ein Saunatag mit der besten Freundin, und heute sind es vielleicht kleine Inseln im Alltag. Die zehn Minuten Ruhe und ein Kaffee allein, bevor das Kind aus der Kita abgeholt wird. Oder der Sportkurs mittwochsabends. Also mal draufschauen, was einem aktuell guttut. Und natürlich gibt es auch Eltern, bei denen gerade alles im Lot ist, die gerade keine Veränderung brauchen. Auch das ist gut wahrzunehmen, es ist alles okay.“

Solche Inseln können klein sein: fünf Minuten mit einem Tee sitzen, bevor der Morgen beginnt. Den Weg zur Kita zu Fuß gehen, ohne aufs Handy zu schauen. Abends ein Buch lesen, statt noch schnell die Wohnung aufzuräumen. Es geht nicht darum, etwas Zusätzliches zu leisten, sondern darum, sich die Erlaubnis zu geben, innezuhalten. Rehorst fasst zusammen: „Eine Mischung aus Akzeptanz dessen, was ist; Veränderung im Innen und Außen; und das soziale Netzwerk nutzen.“

CyberHealth: Kleine Pausen gegen den Eltern-Spagat

In unserem Video zeigt Ihnen Nicole von unserem Kooperationspartner CyberHealth schnelle Übungen gegen Stress im Familienalltag, die garantiert in jeden Zeitplan passen. Sie sind bei SIGNAL IDUNA krankenvollversichert? Dann können Sie über unsere Gesundheitswelt passende Gesundheitskurse entdecken und Ihren Wunschkurs ganz einfach buchen.

Hilfe für überforderte Eltern und Alleinerziehende: Sie sind nicht allein

Wenn das Gespräch im eigenen Umfeld nicht ausreicht oder wenn man merkt, dass man allein nicht mehr herauskommt, gibt es professionelle Anlaufstellen, die schnell, anonym und kostenlos erreichbar sind. Sich Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstkenntnis.

Rehorst drückt es direkt aus: „Wenn man merkt, dass man da gar nicht allein rauskommt, würde ich empfehlen, sich Hilfe zu organisieren.“

Elterntelefon der Nummer gegen Kummer

Das Elterntelefon ist die erste Anlaufstelle für Mütter und Väter, die akut Unterstützung brauchen. Der Anruf ist kostenlos, anonym und aus ganz Deutschland erreichbar, vom Festnetz und vom Handy. Das Elterntelefon ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr sowie dienstags und donnerstags bis 19 Uhr erreichbar.

  • Rufnummer: 0800 111 0 550
  • Weitere Informationen online 

Lokale Erziehungs- und Familienberatungsstellen

In ganz Deutschland gibt es kostenlose und vertrauliche Beratungsstellen für Eltern und Familien, getragen von Organisationen wie Caritas, Diakonie und Pro Familia. Diese Stellen helfen bei Erziehungsfragen, Familienkonflikten, Überforderung und Krisen, persönlich vor Ort oder online.

Fazit: Erschöpfung anerkennen ist der erste Schritt

Überfordert zu sein gehört zum Elternsein dazu wie die Kinder selbst. Es ist die Konsequenz aus echten, messbaren Anforderungen, die auf Eltern täglich einwirken. Der Eltern-Spagat zwischen Job, Haushalt, Kindererziehung und gesellschaftlichen Erwartungen ist real, und er trifft Millionen von Menschen.

Der erste Schritt ist, das anzuerkennen: bei sich selbst und im Gespräch mit anderen. Der zweite ist, Perfektionismus loszulassen und kleine Inseln der Ruhe im Alltag zu schaffen. Und der dritte ist zu wissen: Wer Hilfe sucht, findet sie, anonym, kostenlos und ohne Bewertung.

Wer bei sich Anzeichen eines Eltern-Burnouts bemerkt – emotionale Distanz zum eigenen Kind, dauerhafte Erschöpfung, die nicht nachlässt, körperliche Beschwerden ohne körperliche Ursache – sollte professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. So entsteht auch im stressigen Eltern-Alltag mehr Raum für das eigene Wohlbefinden.